Vier Tage BuFaTa in München

5–7 Minuten

Allgemeines

Die Bundes­fach­schaften­tagung Geschichte (BuFaTa) ist ein Treffen von Geschichts­fach­vereinen aus dem deutsch­sprachigen Raum. Während die Tagung früher nur in Deutsch­land stattfand, wurden dieses Jahr erstmals auch Fach­vereine aus der Schweiz und Öster­reich eingeladen. Für den Fhist reisten Merlin, Lorenz, Gabriel und Lukas nach München und verbrachten dort vier interessante und abwechslungs­reiche Tage.

Die Organisation der Tagung war sehr gelungen. Die Übernachtung wurde von der BuFaTa in einem Hostel organisiert, wofür ein Beitrag von 110 Euro anfiel. Die An- und Abreise mussten die Teilnehmenden selbst planen. Das Programm war gut durchdacht und bot eine gelungene Mischung aus gemeinsamen Aktivitäten und freier Zeit. So blieb neben den offiziellen Programm­punkten auch genügend Raum, um die Stadt zu erkunden und sich mit anderen auszutauschen.

Ein wichtiger Bestand­teil der Tagung waren die verschiedenen Plena. Im politischen Plenum wurde gemeinsam diskutiert und über Beschlüsse abgestimmt, zum Bei­spiel zur Ablehnung von Bildungs­kürzungen und der Streichung von Lehr­stühlen im Fach Geschichte. Im Satzungs­plenum ging es um die BuFaTa selbst, etwa um mögliche Änderungen wie eine Namens­änderung oder Anpassungen in der Satzung. Bei allen Abstimmungen hatte jede Fach­schaft eine Stimme.

Programmübersicht

Daneben gab es ein viel­fältiges Angebot an Work­shops und Exkursionen. Für jeden Zeitslot konnte man im Voraus angeben, woran man am liebsten teil­nehmen möchte.
Die Workshops fanden in kleineren Gruppen statt und behandelten praktische Themen wie die Organisation von Exkursionen, die Planung von Veranstaltungen oder den Umgang mit Social Media. Besonders wertvoll war dabei der Austausch von Erfahrungen zwischen den Teilnehmenden. Die Exkursionen führten zu verschiedenen historischen Orten in München, zum Beispiel zur Glyptothek, zur Gedenk­stätte Dachau oder ins Deutsche Museum.  

Auch das Abend­programm war abwechslungsreich. In studen­tischen Räumen fanden Treffen statt, bei denen Spiele und Getränke angeboten wurden und man sich in entspannter Atmosphäre austauschen und feiern konnte. Ein Highlight war das Pubquiz am Donnerstag­abend, bei dem Teams aus verschiedenen Fach­schaften gemeinsam Fragen zu Geschichte und München beantworteten.

Insgesamt hat sich die Teil­nahme an der BuFaTa sehr gelohnt. Die vier Tage boten viele neue Eindrücke, hilfreiche Ideen und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Die Tagung war damit ein wichtiger und bereichernder Teil des studen­tischen Lebens.

Eindrücke

Hier ein paar Fotos

Persönliche Berichte

Lukas

«Deutsche Bahn». Diese zwei Worte verbreiten zurecht Angst und Schrecken beim Planen von Reisen. So auch bei der dies­jährigen Bundes­fach­schaften­tagung – ein wunderschönes deutsches Wort, ich weiss – Geschichte in München. Bereits am ersten Tag erreichten uns schon früh Mitteilungen; Zug­ausfall, Verspätung, Evakuierung. Wir jedoch sassen gemütlich in unserem SBB-Zug, der sogar zu früh in München ankommen sollte, und waren gespannt was uns die nächsten drei Tage erwarten würde.
Zum ersten Mal waren schweizer­ische Fach­vereine bei der BuFaTa dabei, und, um dieses Fazit schon vorweg­zunehmen, auf jeden Fall nicht das letzte Mal, wenn es nach mir geht. Ein wirklich wunder­bares Event, dessen Organisation und Nutzen für den studen­tischen Austausch nur durch den Spass und die Herzlich­keit, mit der wir empfangen wurden, über­troffen wurde.

 
Merlin

Diese erste BuFaTa in München war ein schönes Erlebnis. Die Münchner Kommi­li­ton:innen haben ein tolles Programm mit spannenden und hilf­reichen Work­shops und Führungen zusammen­gestellt. Ich habe mich gefreut, dass wir genug Zeit hatten, um die Stadt zu erkunden und uns mit den anderen Studis auszutauschen.

In den Mittags­pausen, beim Abend­programm und den gemeinsamen Früh­stücken im Hostel lernte ich viele nette Leute kennen und konnte mit ihnen über unseren Studien- und Lebens­alltag reden, über Geschichte diskutieren und uns bei Getränken und Spielen sozial austauschen (ich habe dabei meine Liebe zu Spezi wieder­entdeckt und extra ein paar Flaschen mit nach Hause gebracht!). Es hat mich sehr gefreut, auch die Leute von Bern und Fribourg zu treffen!

Ein High­light war für mich sicher das PubQuiz, bei dem unsere Teams aus mög­lichst vielen Fach­schaften zusammen­gesetzt sein sollten, was zum Beispiel bei Fragen mit Bezug zu München zu lustigen Diskussionen führte. Mein Team hat es dann völlig uner­wartet auf den ersten Platz geschafft!

Team «Die Exmatrikulation» for the win!

Neben den Plena, in denen ich zwischen Diskussionen zur Uni­politik etc. auch kurz die SVGS (Schweizer­ische Vereinigung der Geschichts­studierenden) vorstellen konnte, besuchte ich Work­shops zur Planung von Exkursionen und kleineren Veranstaltungen. Eigent­lich war auch eine Führung nach Dachau geplant, die aber wegen Streiks ausfiel und durch einen interessanten Workshop zur Gedenk­stätten­arbeit ersetzt wurde, wofür ein Mit­arbeiter extra aus Dachau an die Uni kam.

Auch kulinarisch hat München ja bekannterweise einiges zu bieten: Mittags holten wir uns Falafel, Döner oder Sand­wiches. Aber die Delegation des Fhist, also Gabriel, Lorenz, Lukas und ich, probierten auch eine klassische Schweins­haxe in der Nähe des Isar­tors. Wir spazierten oft von unserem Hostel beim Haupt­bahnhof über den Marien­platz zur Uni und machten kleine Abstecher zur Frauen­kirche oder an den Viktualien­markt. Am Samstag gingen wir vor der Abreise noch in ein tschechisches Restaurant bei der Ludwigs­brücke und spazierten anschliessend zum Rosen­hei­mer Platz.

Alles in allem war die BuFaTa 2026 in München eine sehr tolle Erfahrung, die ich gerne wieder­holen würde und auch nur empfehlen kann!

Gabriel

BuFaTa, was heisst das? Es heisst Bundesfachschaftentagung. Ich hatte noch nie zuvor davon gehört, bis wir, der Fachverein Geschichte der UZH, zur BuFaTa in München eingeladen wurden. Dies war das erste Mal, dass auch österreichische und schweizerische Fachvereine anreisen durften. Der Grund dafür: München liegt näher an Schweizer Städten als an so mancher deutschen Stadt. Kurz nach unserer Ankunft im Hostel hatten wir genug Zeit, um uns die Stadt ein bisschen anzuschauen. Vom Hostel gelangten wir über den Marienplatz bis zum Frauendom, bis wir uns langsam auf den Weg zum ersten Plenum machen mussten. Dort erwarteten uns zahlreiche deutsche, eine österreichische und zwei weitere schweizerische Fachschaften. Aus der Schweiz waren ausser uns Fribourg und Bern, aus Österreich Wien angereist. Schon bald freundeten wir uns mit den schweizerischen, den deutschen und der österreichischen Fachschaft an. Von den deutschen Fachschaften waren es die Hannoveraner, die am zahlreichsten erschienen waren. So beanspruchten sie fast zwei ganze Bankreihen.

An den folgenden Tagen tauschten wir uns in Workshops zu allerlei Themen wie Social Media, Events und Exkursionen aus. Exkursionen selbst standen auch an der Tagesordnung. Ich selbst konnte die unter Ludwig I. errichtete Glyptothek besuchen, in welcher zahlreiche antike Statuen zur Schau standen und sehr bekannte Büsten von zahlreichen römischen Kaisern wie Trajan oder Marcus Aurelius auf uns warteten. Damit hatte ich Glück, da meine Kollegen aufgrund von Bahnstreiks leider nicht auf die ihnen versprochene Exkursion nach Dachau gehen konnten.

Eine der schönsten Aktivitäten war der Spaziergang im englischen Garten, wo wir in einem Pavillon auf einem Hügel wiederum auf andere Fachschaften stiessen. Es schien fast so, als hätten die Fachschaften/Fachvereine der Geschichte in diesen Tagen München überrannt.

Alles in allem war es ein kleines Abenteuer, das die Fachschaften/Fachvereine der Geschichte des deutschsprachigen Raumes einander nähergebracht und den Ideenaustausch gefördert hat. Es waren spannende und lehrreiche Tage.

Texte: Gabriel, Lorenz, Lukas und Merlin

Bar der Wahrheit

Nach einer eher kleinen, aber gemütlichen Runde für den Filmabend schloss die Themenwoche mit der HS-Bar ab. Die Oase war pumpenvoll und es bildeten sich dreizehn Gruppen für das Quiz. Studierende aller Semester sowie auch Dozierende bereiteten sich auf die einzig wahre Wahrheit vor.

Die Antike war gezeichnet von Verwirrungen und auch der Beginn des Mittelalters stellte sich als Herausforderung dar. Leider stellte sich das Wortlimit von Kahoot auch etwas in den Weg von sehr gut ausgearbeiteten Fragen, aber trotzdem gab es einige Gruppen, die richtig auswählten. Empfehlung trotzdem: geht mal wieder in eine Vorlesung von Kolb, Walser, Maier, Scholz, Zey und co. :-). Im Spätmittelalter gab es dann vermehrt Konsens und die Rangliste verfestigte sich.

Schon zu Beginn der allgemeinen Fragen stellte sich die Siegergruppe heraus: die Truthtellers, die dem Namen ihrer Gruppe gerecht wurden. Wir gratulieren zum Sieg und freuen uns natürlich darauf, Euch an der nächsten HS-Bar wieder begrüssen zu dürfen.

Wir gratulieren „THE TRUTHTELLERS“ zum Gewinn des Pubquiz in der Themenwoche 2024

Alles in allem war die Themenwoche aus Sicht des Fhist ein Erfolg und wir hoffen, dass auch Ihr eine spannende und spassige Zeit hinter Euch habt. Nun wünschen wir weiterhin viel Erfolg im Semester und bis zum nächsten Mal.

Wie entsteht die Wahrheit?

Wie entsteht die Wahrheit?

Dieser komplexen Frage widmeten sich an der gestrigen Podiumsdiskussion des Historischen Seminars Prof. Dr. Botakoz Kassymbekova, die neue Inhaberin des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte, Prof. Dr. Matthias Mahlmann, der Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und Recht, Prof. Dr. Andreas Victor Walser, der Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der alten Kulturen, und Prof. Dr. Sylvia Sasse, die Inhaberin des Lehrstuhls für slavische Literaturwissenschaften. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Anina Streiff und Sasha Müri, zwei Geschichtsstudentinnen im BA. Die folgenden Ausführungen sind eine Zusammenstellung meiner Notizen und entsprechen nur sinngemäss den Aussagen der Anwesenden.

Schon in den beginnenden Plädoyers der Gäste zeigte sich die Vielschichtigkeit des Themas. Frau Kassymbekova stellte dem Publikum vor, wie sich die Wahrheit in der Sowjetunion entwickelte. Schon in ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit diesem Thema und benutzte den Begriff «Empire of Liars» als Beschreibung für das komplexe Propaganda-Regime der Bolschewiki. Die Angst vor Unwahrheit und darauffolgenden Repressalien ging so weit, dass sich eine Kultur des Schweigens oder des Unsinns verbreitet, um nur ja nicht den vielen Wahrheiten der Regierung zu widersprechen. Herr Mahlmann brachte die Diskussion in unseren Raum und in die heutige Zeit, indem er die Auswirkungen von Wahrheiten auf westliche Demokratien beleuchtete. So argumentierte er, dass in unserer Gesellschaft gemeinsame Wirklichkeiten unverzichtbar sind, wie etwa, dass ein Vegi-Burger vegetarischen Inhalt hat. Desweitern sei ohne einen gemeinsamen Wirklichkeitsbezug eine Demokratie nicht möglich. Die parallelen Welten ohne Realitätsbezug, so wie sie etwa in der Sowjetunion entwickelt worden sind, seien totalitäre Fiktionen, die zum Glück in einer derartigen Tiefe heute nicht mehr wirklich existierten. Trotzdem gäbe es Politiker und Herrscher, die durch ihre gehäuften Falschaussagen die epistemische Freiheitsordnung bedrohten. Herr Mahlmann schloss damit ab, dass er das Recht als ein Gerechtigkeitsprojekt bezeichnete, bei welchem auch immer die Erinnerung an die Realität der Opfer eine Rolle spielen sollte. So sollten gewisse normative Grundlagen absolut geltend sein und die menschliche Würde unverhandelbar verankert sein. Herr Walser konkretisierte die Bedeutung der Wahrheit anhand eines Rechtsfalles der 90er Jahre in den USA. Vor Gericht traten ein Philosoph und eine Klassizistin gegeneinander an, um die Bedeutung der Homosexualität im antiken Griechenland zu erklären. Obwohl das Gericht die Evidenz der beiden Wissenschaftler:innen als «inconclusive» bezeichnete, hatte dieser Rechtsstreit weiterführende Folgen für die Geschichtswissenschaften. Er zeigte auf, dass der Zwang zur Wahrheit vor Gericht für die historische Evidenz schwierig ist. So kann die wahre Sicht Platons nicht präsentiert werden, da seine Schriften bewusst vielstimmig geschrieben sind. Auch die Interpretationen von Quellen können vielstimmig sein und somit gibt es Wahrheit in den Geschichtswissenschaften nur allein, nicht aber zu zweit. Die Frage bleibt offen, wer nun die Instanz sein soll, die die historische Wahrheit bestätigt. Frau Sasse schliesst die Plädoyer mit einigen Worten über die Staatssicherheit der DDR und Hannah Arendt ab. Anhand eines von der Stasi verfassten Gedichtes sollte ein Künstler als Spitzel diskreditiert werden. Diese Quelle lügt über die Person, zeigt aber die Wahrheit über die Zersetzungspraktiken der Diktatur. So sollen wir uns mit der organisierten Lüge beschäftigen, um deren Hintergrund und Zweck zu erkennen. Ohne einen Funken Wahrheit funktioniert die Desinformation nicht, aber sie kann dahinter ein gewaltiges Lügenbild aufbauen.

Nach dem Einstieg folgte eine Fragerunde, in der zuerst die Moderatorinnen einige Fragen stellten und dann das Wort auch dem Publikum erteilten. 

Wenn nur eine Wahrheit erlaubt ist, wie lange kann dann die individuelle Wahrheit bestehen? 

Antwort Kassymbekova: In der Sowjetunion waren eher zu viele Wahrheiten vorhanden, die durch die kommunistische Partei vertreten wurden. Das machte das Leben schwierig, da man sich immer wieder anpassen musste oder angepasst wurde. Nach Jahren der Probleme wurde dann die Planwirtschaft so rigoros eingeführt, dass alles gemäss Quote erfüllt werden musste, egal ob es der Wahrheit entsprach oder nicht. 

Wie viel subjektive Wahrheit hält eine Demokratie aus? 

Antwort Mahlmann: Wir müssen dies als Grade systemischer Unsicherheiten betrachten. Gefährliche Gegenwelten können aufgebaut werden, wenn wir die zentralen Elemente der Demokratie nicht aufrechterhalten. Im Grundsatz ist die Demokratie eine Respektkultur und dies müssen wir durchsetzen, da ansonsten die Menschenverachtung politischen Erfolg haben kann. 

Inwiefern können die Geschichtswissenschaften eine Basis für Entscheidungen der Gegenwart sein? 

Antwort Walser: es geht in der Geschichtswissenschaft nicht primär darum, historische Fakten zu schaffen, sondern aufgrund der historisch belegbaren Fakten weiter zu forschen und so den Nebel der Vergangenheit zu lichten. Die spannenden Fragen können wir daher nicht immer so eindeutig klären, wie wir dies vielleicht gerne hätten. Als Geschichtswissenschaftler:innen bestimmen wir nicht die «eine» Wahrheit. 

Wie viel Lüge hält ein Narrativ aus? 

Antwort Sasse: In Narrativen von Propaganda-Apparaten kann beobachtet werden, dass nicht alles eine Lüge ist. Es braucht überprüfbare Wahrheiten, um die Lügen besser verkaufen zu können. Ein Problem entsteht hier durch die Vermischung von Fakten und Meinungen. 

Konsensmeinung: Wir müssen für die Grundlagen unserer Kultur laut einstehen, ebenso für die Menschenrechte. Wir müssen unsere Erkenntnisse verteidigen und so den Wert der gemeinsamen Wahrheit stärken.

Die Podiumsdiskussion konnte die übergreifende Frage nicht beantworten, zeigte aber verschiedene Ansätze auf, wie mit der Wahrheit in der heutigen und gestrigen Welt umgegangen wird. Die folgenden Tage der Themenwoche bieten eine Vielzahl an weiteren Einblicken zu diesem schwierigen zu fassenden, aber doch so zentralen Begriff der «Wahrheit». Wir wünschen viel Spass und Erkenntnis.

Der höchste mittelalterliche Turm der Schweiz

Es war schon am eindunkeln, als wir uns in Aarau vor dem Obertorturm trafen. Das 64 Meter hohe Monument der Aarauer Stadtgeschichte ragte über uns, Felix Hoffmanns Totentanz zog den Blick auf sich. Unter der Führung unseres vereinseigenen Aarauer Historikers stiegen wir die Treppen hoch und auch noch weit hinunter und begutachteten historische Räumlichkeiten und Gegenstände, die fast 800 Jahre Geschichte erzählten. So schrieben etwa Gefangenen noch in der frühen Neuzeit (bis spät ins 19. Jh.) an den Wänden ihrer Zellen:

Hier in dieser Gefangenschaft habe ich den Entschluss gemacht, in der Zukunft treu zu sein, weil ich nicht will immer gefangen sein.

Unbekannt, wohl 19. Jh. Obertorturm Aarau

Obwohl der Turm seit dem Mittelalter ein Gefängnis war, war wohl eine der wichtigsten Aufgaben des Turmwärters, nach Feuer Ausschau zu halten. Denn Brände waren für die mittelalterlichen Städte die grösste Gefahr. So hatten Brandstifter mit den schwersten Strafen zu rechnen, wie auch die Hexen. Derer gab es auch in Aarau, aber nicht etwa so viele wie im geradezu teuflischen Luzern. In Aarau sind sechs Hexenprozesse bekannt, darunter sogar eine Begnadigung. Margaret Schäfer wurde nicht bei lebendigem Leibe verbrannt, sondern gnädig mit dem Schwert enthauptet, da sie den Pakt mit dem Teufel (wohl eher ein schwerer Schlaganfall) nicht willentlich eingegangen war.

In den oberen Stockwerken des Turmes gab es aber noch angenehmere Räume, etwa die Wohnung des Turmwärters und den Technikraum der Turmuhr. Diese funktioniert seit 1532, vielleicht auch, weil es keinen Minutenzeiger hat, der die Mechanik verkomplizieren würde. So hat sich der damalige Entscheid der Stadt bewährt. Noch heute muss alle anderthalb Tage ein pensionierter Buschaffeur die Uhrengewichte nach oben ziehen, damit die Funktion der altehrwürdigen Zeitmaschine sichergestellt ist.

Ganz oben unter dem Dach befindet sich der modernste Teil des Turmes, ein Glockenspiel aus dem späten 20. Jahrhundert. Dieses erklingt noch heute immer wieder bei Konzerten und Anlässen der Stadt. Alles in allem bot uns der Obertorturm einen spannenden Abend und gab uns vielerlei neue Informationen zum Mittelalter und vielleicht sogar Ideen für wissenschaftliche Arbeiten an der Uni Zürich, da doch einiges aus der Aarauer Geschichte zu diesem alten Turm noch nicht erforscht ist.

Studierendenzahlen, Modulbuchung, Themenwoche 2024

Am Fachvereinstreffen wurden wieder einmal wichtige Themen für die Geschichtsstudierenden besprochen. Die sinkenden Studierendenzahlen an der Philosophischen Fakultät beschäftigen alle Stufen der Universität. Wieso ist Geschichte nicht mehr so begehrt?

Die Modulbuchung, immer noch ein Dorn für uns Geschichtsstudierende, hat auch dieses Semester zu Beschwerden geführt, die an uns gelangt sind. Wie kann das Historische Seminar hier Abhilfe verschaffen?

Nach der spannenden und gut besuchten Themenwoche „Widerstand“ im letzten Semester wird es auch 2023 wieder eine ähnliche Aktion des Historischen Seminars geben. Aktuell läuft die Vorbereitung und studentische Mitsprache ist erwünscht. Welche Themen hättet Ihr gerne?

Ein langes Treffen des Fachverein hat gewisse Antworten geliefert, aber viele suchen wir noch. Wenn Ihr interessiert sein, an den Diskussionen teilzuhaben, kommt an unsere Veranstaltungen, tretet dem Geschichtsforum oder direkt dem Fhist bei.

Wir freuen uns immer auf neue Stimmen und Perspektiven!

Neuer Name, neues Logo, neuer Fachverein

In den Diskussionen zu den Statutenänderungen im Herbst 2023 und Frühling 2023 gab es viele lange und intensive Diskussionen, so etwa auch zum neuen Namen unseres Fachvereins. Auf den Start des Herbstsemesters liessen wir ein neues Logo erstellen, welches uns einen frischen Wind geben soll. Seit der mühsamen Corona-Zeit hatten wir Probleme mit Mitgliederzahlen und Teilnehmern an unserer Veranstaltung.

Im Herbstsemester 2023 kommen wir mit neuer Energie zurück und haben einen neuen Namen: Fhist, sowie ein neues Logo und eine neue WhatsApp-Community. Wir begrüssen alle ganz herzlich zu einem neuen Semester und hoffen darauf, dass uns viele neue und alteingesessene Studierende an unseren Veranstaltungen besuchen und sich unserer Community anschliessen. Wir sind auf Eure Meinung zu unipolitischen Themen angewiesen und machen gerne mit Euch Exkursionen, Spieleabende und gemütliche Bars.

Viel Erfolg im Herbstsemester 2023!!!

Abschlussvorlesung von Prof. Dr. Bernd Roeck

„So liest es sich dann doch mehr wie ein Burckhardt, der den geographischen Raum erweitert hat“ urteilt die Kunsthistorikerin Jeanette Kohl über Bernd Roecks Alterswerk „Der Morgen der Welt“. Der Vorwurf des Eurozentrismus lastet schwer auf den zugegebenermassen kräftigen Schultern des monumentalen Panoramawerk über die Geschichte der europäischen Rennaissance. Ähnlich liesse sich in Roecks Abschlussvorlesung vom 14. Dezember 2018 über die Selbstdarstellungen von HistorikerInnen in der Geschichte das vorwiegend männliche, ältere und weisse Profil der Protagonisten anprangern. Dieses vorwiegend von Exponenten einer ‚politisch korrekten‘ Linken kultivierte Feindbild soll nun also das Gros der Akteure der Geschichtswissenschaft ausmachen? Roeck hatte in seiner Namedropping-Parade diesen Vorwurf bereits vorausgeahnt und beschwichtigend versichert, es gäbe auch namhafte Historikerinnen, doch seien diesen leider die Möglichkeitsräume zur institutionell geförderten Entfaltung ihres Talents vor dem 20. Jahrhundert nur sehr beschränkt zuteil geworden. Das subversive politische Statement hierbei ist klar, war doch Roecks letzte offizielle Vorsprache in den Hallen der UZH nichts weniger als das Tüpfelchen auf dem i seiner zumindest in den letzten 5 Jahren seiner universitären Lehre einzigartigen Vorlesungen, welche stets mit aufrischendem Humor zuletzt allmählich lähmend repetitiver Themenfelder (Katzen, Murmeltiere, Alternativmedizin u.v.m.) durchsetzt waren, sich aber in erster Linie stets mit den ‚grossen‘ Fragen der Geschichte auseinandersetzten. Wenn auch die (fast) vollzählige Anwesenheit der professoralen Zürcher Historikerzunft Anlass für einen fachlich auf hohem Niveau stehenden Beitrag gegeben hätte, wirkte Roecks Abschlussvorlesung mehr wie Provokation, ironische Pointierung, Kokettierung, kurz: Unterhaltung statt Inhalt. So stand dann anstatt im Bereich seiner zweifellos unersetzlich wertvollen fachlichen Beiträge in der frühneuzeitlichen sowie der Kunstgeschichte verhältnismässig viel Laudatio für Roecks Engagement für den MA-Weiterbildungsstudiengang „MAS Applied History“ an. Es verwundert nicht, dass mit der Heraushebung des äusserst gut besuchten, dem modernen, ‚neoliberalen‘ Nutzenzwang des akademischen Betriebs angepassten Weiterbildungsstudiengangs die merkantile Verwertbarkeit von Roecks Verdiensten über den akademisch-fachlichen Leistungen liegt. Entsprechend ‚populär‘ liest sich auch ‚Der Morgen der Welt‘, dessen zentrale Frage ‚Warum Europa?‘, um mit Michael Mitterauer zu sprechen, zwar nicht neuesten postkolonialen und ‚provinzialisierenden‘ Forschungstrends der Geschichtswissenschaft entgegenkommt, doch eben besonders auch bei einem nicht unbedingt fachlich versierten Publikum auf grosses Interesse stösst. Mit Bernd Roeck verlässt eine Generation von Historikern der ‚alten Garde‘ die Lehre, welche es sich noch leisten konnte, ihr Unwissen und ihre Inkompetenz gegenüber (inzwischen nicht mehr so) neuen Medien und Darstellungsmitteln wie Video und Power Point geradezu zu zelebrieren und sich in einer diffusen Wolke professoraler Autorität und Würde zu wähnen. Auf einigen Folien brachte Roeck dem Publikum die Porträts von namhaften Historikergrössen nahe, welche sich gegen Ende ihrer Karriere nunmehr ihren Untersuchungsgegenständen und Inspirationen auf groteske Weise glichen. Die Ironie dieser Situation lässt sich nicht verkennen, wenn man nun die von ihm geliebte Büste Jacob Burckhardte neben sein Porträt stellen würde. Auch der ‚Burckhardt, der den geographischen Raum erweitert hat‘ hat sich inzwischen erschreckend akkurat seinem Original angenähert. Gleichwohl wird Studierendenschaft ihren Professor vermissen. Roecks thematischer Weitblick in seinen Vorlesungen, seine packende Rhetorik und die stets angeregte Diskussionsatmosphäre in den Seminaren werden in Zukunft ihresgleichen suchen. Darüber hinaus bedankt sich der Fachverein Geschichte für die Büste Jacob Burckhardts, welche nun trotz des Abgangs seines früheren Besitzers weiterhin im Hause bleiben kann.

Text: Johannes Wahl

Wochenendexkursion Colmar & Strasbourg

«Ein Lobspruch / vonn der glücklichen und wolfertigen Schiffart / einer bürgerlichen Gesellschaft auß Zürich […]»

Dem Vorbild von Fischarts Dichtung zur Hirsebreifahrt folgend, führte uns die diessemestrige Exkursion des FVhist ins nahegelegene Elsass. Bereits am ersten Tag erkundeten wir bei strahlendem Herbstwetter mit dem E-Bike das Umland von Colmar mit seinen malerischen Rebhängen und besichtigten dabei die monumentale Zweit-Weltkrieg-Nekropole von Sigolsheim und die Städtchen Riquewihr und Ribeauvillé.
Der zweite Tag führte uns in die Unesco-Welterbe-Stadt Strasbourg mit seiner gotischen Kathedrale, deren 330 Stufen wir allesamt erklommen und so einen atemberaubenden Rundumblick über die Stadt erhielten. Eine passende historische Abrundung bekam unser Ausflug durch spannende, freiwillige Inputreferate (danke Nina und Raoul) und einem Besuch des historischen Museums von Strasbourg.
Den Sonntag begingen wir dann mit einem Stadtrundgang durch die wunderschöne Innenstadt Colmars. Zum Abschluss unserer Exkursion besichtigten wir das renovierte Museum Unterlinden mit seinem weltberühmten Isenheimer Altar.
Im Gegensatz zu unseren historischen Vorbildern mussten wir auf unserem Ausflug auch keinen Hirsebrei mit uns tragen. Für Speis und Trank sorgten stets die urchigen Elsässer Beizen. Flammkuchen, Choucroute und Gewürztraminer lassen grüssen!
Schön wars und auf eine baldige Wiederholung!

Text: Timo Geitlinger

Gallery Wordpress

Semesterbeginn

Das neue Semester hat bereits wieder begonnen und auch der FVhist steht wieder in den Startlöchern. Nebst unserer neuen Website, welche wir über den Sommer endlich fertiggestellt haben und die ihr ja bereits kennt, gibt es auch noch ein paar weitere Neuerungen:

Ab diesem Semester bieten wir neu am Mittwochnachmittag von 13:00-17:00 Uhr Bürostunden an. Während dieser Zeit sind wir jeweils im Fachvereinszimmer (KO2-G-280a) anzutreffen und stehen für Fragen zur Verfügung. Sei es zu unipolitischen Themen, eurem Studium, Bologna 2020 oder einfach sonst zum Plaudern, wir freuen uns auf euch!

Zusätzlich planen wir dieses Semester das erste Mal eine Wochenendexkursion. Vom 19. bis am 21. Oktober gehen wir ins Elsass. Anmeldungen nehmen wir bis am 27. September an. Weitere Informationen und das Anmeldeformular findet ihr hier.

Am 2. Oktober findet das Screening von „Paths of Glory“ im StuZ² in Zusammenarbeit mit der Filmstelle statt. Weitere Informationen dazu findet ihr auf der Website der Filmstelle und hier. Wir freuen uns, wenn wir dort einige bekannte und neue Gesichter begrüssen dürfen.

Auch in der Unipolitik steht dieses Semester einiges an. Die Bologna 2020 Reform ist in der Schlussphase. Es werden noch ein paar Details geklärt und alles vorbereitet, damit wir nächsten Herbst mit der neuen Studienordnung starten können. Damit ihr euer Studium entsprechend planen könnt, findet am Mittwoch, dem 19. September um 12:15 Uhr im KO2-F-180 eine Informationsveranstaltung statt. Selbstverständlich könnt ihr auch bei der Studienberatung einen Termin abmachen oder bei uns vorbei kommen. Wir versuchen, euch so gut wie möglich beim Wechsel zu helfen.

Ein weiteres brisantes Thema, das ihr vielleicht auch schon in Tageszeitungen angetroffen habt, ist die Bibliotheksreform. Unter dem Namen „UBZH -Bibliothek der Zukunft“ wurde letztes Jahr ein Vorprojekt gestartet, welches nun in der Vernehmlassung ist. In unserem Newsletter haben wir bereits ein paar Infos mitgeteilt, die gesamten Vernehmlassungsunterlagen findet ihr hier. Wir sind bei diesem Projekt auf eure Meinung angewiesen. Teilt sie uns mit, per Mail, Facebook, über das Kontaktformular oder in Person während den Bürostunden. Damit wir die Antwort fristgerecht einbringen können, sind wir froh um Rückmeldungen bis am 27. September.

Erstsemestrigentag 2018

Heute fand der Erstsemestrigentag des Herbstsemesters 2018 statt. Rund 70 neue Studentinnen und Studenten liessen es sich nicht nehmen, persönlich am Historischen Seminar begrüsst zu werden und sich von Mitgliedern des FVhist durch die Uni führen zu lassen. Nach der offizielle Begrüssung durch das Dekanat und den Vorstand des Historischen Seminars und grundlegenden Informationen zu Studium und Mobilität wurden die neuen Studierenden in Gruppen vom Fachverein durch den Standort Zentrum der Universität Zürich geführt und Tipps und Tricks vermittelt, damit sich unsere Neuen zu Beginn ihres Studiums besser zurecht finden. Abgeschlossen wurde der Anlass durch einen Apéro in der Oase, wo auch Gelegenheit bestand, mit Studierenden aus höheren Semestern ins Gespräch zu kommen und Fragen zu beantworten. Zwischenzeitlich durften wird bereits einige Neumitglieder im Fachverein begrüssen. Selbstverständlich freuen wir uns über jedes weitere neue Mitglied im Fachverein!

Wir heissen alle neuen Studentinnen und Studenten herzlich willkommen an der Universität Zürich!