Vier Tage BuFaTa in München

5–7 Minuten

Allgemeines

Die Bundes­fach­schaften­tagung Geschichte (BuFaTa) ist ein Treffen von Geschichts­fach­vereinen aus dem deutsch­sprachigen Raum. Während die Tagung früher nur in Deutsch­land stattfand, wurden dieses Jahr erstmals auch Fach­vereine aus der Schweiz und Öster­reich eingeladen. Für den Fhist reisten Merlin, Lorenz, Gabriel und Lukas nach München und verbrachten dort vier interessante und abwechslungs­reiche Tage.

Die Organisation der Tagung war sehr gelungen. Die Übernachtung wurde von der BuFaTa in einem Hostel organisiert, wofür ein Beitrag von 110 Euro anfiel. Die An- und Abreise mussten die Teilnehmenden selbst planen. Das Programm war gut durchdacht und bot eine gelungene Mischung aus gemeinsamen Aktivitäten und freier Zeit. So blieb neben den offiziellen Programm­punkten auch genügend Raum, um die Stadt zu erkunden und sich mit anderen auszutauschen.

Ein wichtiger Bestand­teil der Tagung waren die verschiedenen Plena. Im politischen Plenum wurde gemeinsam diskutiert und über Beschlüsse abgestimmt, zum Bei­spiel zur Ablehnung von Bildungs­kürzungen und der Streichung von Lehr­stühlen im Fach Geschichte. Im Satzungs­plenum ging es um die BuFaTa selbst, etwa um mögliche Änderungen wie eine Namens­änderung oder Anpassungen in der Satzung. Bei allen Abstimmungen hatte jede Fach­schaft eine Stimme.

Programmübersicht

Daneben gab es ein viel­fältiges Angebot an Work­shops und Exkursionen. Für jeden Zeitslot konnte man im Voraus angeben, woran man am liebsten teil­nehmen möchte.
Die Workshops fanden in kleineren Gruppen statt und behandelten praktische Themen wie die Organisation von Exkursionen, die Planung von Veranstaltungen oder den Umgang mit Social Media. Besonders wertvoll war dabei der Austausch von Erfahrungen zwischen den Teilnehmenden. Die Exkursionen führten zu verschiedenen historischen Orten in München, zum Beispiel zur Glyptothek, zur Gedenk­stätte Dachau oder ins Deutsche Museum.  

Auch das Abend­programm war abwechslungsreich. In studen­tischen Räumen fanden Treffen statt, bei denen Spiele und Getränke angeboten wurden und man sich in entspannter Atmosphäre austauschen und feiern konnte. Ein Highlight war das Pubquiz am Donnerstag­abend, bei dem Teams aus verschiedenen Fach­schaften gemeinsam Fragen zu Geschichte und München beantworteten.

Insgesamt hat sich die Teil­nahme an der BuFaTa sehr gelohnt. Die vier Tage boten viele neue Eindrücke, hilfreiche Ideen und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Die Tagung war damit ein wichtiger und bereichernder Teil des studen­tischen Lebens.

Eindrücke

Hier ein paar Fotos

Persönliche Berichte

Lukas

«Deutsche Bahn». Diese zwei Worte verbreiten zurecht Angst und Schrecken beim Planen von Reisen. So auch bei der dies­jährigen Bundes­fach­schaften­tagung – ein wunderschönes deutsches Wort, ich weiss – Geschichte in München. Bereits am ersten Tag erreichten uns schon früh Mitteilungen; Zug­ausfall, Verspätung, Evakuierung. Wir jedoch sassen gemütlich in unserem SBB-Zug, der sogar zu früh in München ankommen sollte, und waren gespannt was uns die nächsten drei Tage erwarten würde.
Zum ersten Mal waren schweizer­ische Fach­vereine bei der BuFaTa dabei, und, um dieses Fazit schon vorweg­zunehmen, auf jeden Fall nicht das letzte Mal, wenn es nach mir geht. Ein wirklich wunder­bares Event, dessen Organisation und Nutzen für den studen­tischen Austausch nur durch den Spass und die Herzlich­keit, mit der wir empfangen wurden, über­troffen wurde.

 
Merlin

Diese erste BuFaTa in München war ein schönes Erlebnis. Die Münchner Kommi­li­ton:innen haben ein tolles Programm mit spannenden und hilf­reichen Work­shops und Führungen zusammen­gestellt. Ich habe mich gefreut, dass wir genug Zeit hatten, um die Stadt zu erkunden und uns mit den anderen Studis auszutauschen.

In den Mittags­pausen, beim Abend­programm und den gemeinsamen Früh­stücken im Hostel lernte ich viele nette Leute kennen und konnte mit ihnen über unseren Studien- und Lebens­alltag reden, über Geschichte diskutieren und uns bei Getränken und Spielen sozial austauschen (ich habe dabei meine Liebe zu Spezi wieder­entdeckt und extra ein paar Flaschen mit nach Hause gebracht!). Es hat mich sehr gefreut, auch die Leute von Bern und Fribourg zu treffen!

Ein High­light war für mich sicher das PubQuiz, bei dem unsere Teams aus mög­lichst vielen Fach­schaften zusammen­gesetzt sein sollten, was zum Beispiel bei Fragen mit Bezug zu München zu lustigen Diskussionen führte. Mein Team hat es dann völlig uner­wartet auf den ersten Platz geschafft!

Team «Die Exmatrikulation» for the win!

Neben den Plena, in denen ich zwischen Diskussionen zur Uni­politik etc. auch kurz die SVGS (Schweizer­ische Vereinigung der Geschichts­studierenden) vorstellen konnte, besuchte ich Work­shops zur Planung von Exkursionen und kleineren Veranstaltungen. Eigent­lich war auch eine Führung nach Dachau geplant, die aber wegen Streiks ausfiel und durch einen interessanten Workshop zur Gedenk­stätten­arbeit ersetzt wurde, wofür ein Mit­arbeiter extra aus Dachau an die Uni kam.

Auch kulinarisch hat München ja bekannterweise einiges zu bieten: Mittags holten wir uns Falafel, Döner oder Sand­wiches. Aber die Delegation des Fhist, also Gabriel, Lorenz, Lukas und ich, probierten auch eine klassische Schweins­haxe in der Nähe des Isar­tors. Wir spazierten oft von unserem Hostel beim Haupt­bahnhof über den Marien­platz zur Uni und machten kleine Abstecher zur Frauen­kirche oder an den Viktualien­markt. Am Samstag gingen wir vor der Abreise noch in ein tschechisches Restaurant bei der Ludwigs­brücke und spazierten anschliessend zum Rosen­hei­mer Platz.

Alles in allem war die BuFaTa 2026 in München eine sehr tolle Erfahrung, die ich gerne wieder­holen würde und auch nur empfehlen kann!

Gabriel

BuFaTa, was heisst das? Es heisst Bundesfachschaftentagung. Ich hatte noch nie zuvor davon gehört, bis wir, der Fachverein Geschichte der UZH, zur BuFaTa in München eingeladen wurden. Dies war das erste Mal, dass auch österreichische und schweizerische Fachvereine anreisen durften. Der Grund dafür: München liegt näher an Schweizer Städten als an so mancher deutschen Stadt. Kurz nach unserer Ankunft im Hostel hatten wir genug Zeit, um uns die Stadt ein bisschen anzuschauen. Vom Hostel gelangten wir über den Marienplatz bis zum Frauendom, bis wir uns langsam auf den Weg zum ersten Plenum machen mussten. Dort erwarteten uns zahlreiche deutsche, eine österreichische und zwei weitere schweizerische Fachschaften. Aus der Schweiz waren ausser uns Fribourg und Bern, aus Österreich Wien angereist. Schon bald freundeten wir uns mit den schweizerischen, den deutschen und der österreichischen Fachschaft an. Von den deutschen Fachschaften waren es die Hannoveraner, die am zahlreichsten erschienen waren. So beanspruchten sie fast zwei ganze Bankreihen.

An den folgenden Tagen tauschten wir uns in Workshops zu allerlei Themen wie Social Media, Events und Exkursionen aus. Exkursionen selbst standen auch an der Tagesordnung. Ich selbst konnte die unter Ludwig I. errichtete Glyptothek besuchen, in welcher zahlreiche antike Statuen zur Schau standen und sehr bekannte Büsten von zahlreichen römischen Kaisern wie Trajan oder Marcus Aurelius auf uns warteten. Damit hatte ich Glück, da meine Kollegen aufgrund von Bahnstreiks leider nicht auf die ihnen versprochene Exkursion nach Dachau gehen konnten.

Eine der schönsten Aktivitäten war der Spaziergang im englischen Garten, wo wir in einem Pavillon auf einem Hügel wiederum auf andere Fachschaften stiessen. Es schien fast so, als hätten die Fachschaften/Fachvereine der Geschichte in diesen Tagen München überrannt.

Alles in allem war es ein kleines Abenteuer, das die Fachschaften/Fachvereine der Geschichte des deutschsprachigen Raumes einander nähergebracht und den Ideenaustausch gefördert hat. Es waren spannende und lehrreiche Tage.

Texte: Gabriel, Lorenz, Lukas und Merlin

Bar der Wahrheit

Nach einer eher kleinen, aber gemütlichen Runde für den Filmabend schloss die Themenwoche mit der HS-Bar ab. Die Oase war pumpenvoll und es bildeten sich dreizehn Gruppen für das Quiz. Studierende aller Semester sowie auch Dozierende bereiteten sich auf die einzig wahre Wahrheit vor.

Die Antike war gezeichnet von Verwirrungen und auch der Beginn des Mittelalters stellte sich als Herausforderung dar. Leider stellte sich das Wortlimit von Kahoot auch etwas in den Weg von sehr gut ausgearbeiteten Fragen, aber trotzdem gab es einige Gruppen, die richtig auswählten. Empfehlung trotzdem: geht mal wieder in eine Vorlesung von Kolb, Walser, Maier, Scholz, Zey und co. :-). Im Spätmittelalter gab es dann vermehrt Konsens und die Rangliste verfestigte sich.

Schon zu Beginn der allgemeinen Fragen stellte sich die Siegergruppe heraus: die Truthtellers, die dem Namen ihrer Gruppe gerecht wurden. Wir gratulieren zum Sieg und freuen uns natürlich darauf, Euch an der nächsten HS-Bar wieder begrüssen zu dürfen.

Wir gratulieren „THE TRUTHTELLERS“ zum Gewinn des Pubquiz in der Themenwoche 2024

Alles in allem war die Themenwoche aus Sicht des Fhist ein Erfolg und wir hoffen, dass auch Ihr eine spannende und spassige Zeit hinter Euch habt. Nun wünschen wir weiterhin viel Erfolg im Semester und bis zum nächsten Mal.

Der höchste mittelalterliche Turm der Schweiz

Es war schon am eindunkeln, als wir uns in Aarau vor dem Obertorturm trafen. Das 64 Meter hohe Monument der Aarauer Stadtgeschichte ragte über uns, Felix Hoffmanns Totentanz zog den Blick auf sich. Unter der Führung unseres vereinseigenen Aarauer Historikers stiegen wir die Treppen hoch und auch noch weit hinunter und begutachteten historische Räumlichkeiten und Gegenstände, die fast 800 Jahre Geschichte erzählten. So schrieben etwa Gefangenen noch in der frühen Neuzeit (bis spät ins 19. Jh.) an den Wänden ihrer Zellen:

Hier in dieser Gefangenschaft habe ich den Entschluss gemacht, in der Zukunft treu zu sein, weil ich nicht will immer gefangen sein.

Unbekannt, wohl 19. Jh. Obertorturm Aarau

Obwohl der Turm seit dem Mittelalter ein Gefängnis war, war wohl eine der wichtigsten Aufgaben des Turmwärters, nach Feuer Ausschau zu halten. Denn Brände waren für die mittelalterlichen Städte die grösste Gefahr. So hatten Brandstifter mit den schwersten Strafen zu rechnen, wie auch die Hexen. Derer gab es auch in Aarau, aber nicht etwa so viele wie im geradezu teuflischen Luzern. In Aarau sind sechs Hexenprozesse bekannt, darunter sogar eine Begnadigung. Margaret Schäfer wurde nicht bei lebendigem Leibe verbrannt, sondern gnädig mit dem Schwert enthauptet, da sie den Pakt mit dem Teufel (wohl eher ein schwerer Schlaganfall) nicht willentlich eingegangen war.

In den oberen Stockwerken des Turmes gab es aber noch angenehmere Räume, etwa die Wohnung des Turmwärters und den Technikraum der Turmuhr. Diese funktioniert seit 1532, vielleicht auch, weil es keinen Minutenzeiger hat, der die Mechanik verkomplizieren würde. So hat sich der damalige Entscheid der Stadt bewährt. Noch heute muss alle anderthalb Tage ein pensionierter Buschaffeur die Uhrengewichte nach oben ziehen, damit die Funktion der altehrwürdigen Zeitmaschine sichergestellt ist.

Ganz oben unter dem Dach befindet sich der modernste Teil des Turmes, ein Glockenspiel aus dem späten 20. Jahrhundert. Dieses erklingt noch heute immer wieder bei Konzerten und Anlässen der Stadt. Alles in allem bot uns der Obertorturm einen spannenden Abend und gab uns vielerlei neue Informationen zum Mittelalter und vielleicht sogar Ideen für wissenschaftliche Arbeiten an der Uni Zürich, da doch einiges aus der Aarauer Geschichte zu diesem alten Turm noch nicht erforscht ist.

Wochenendexkursion Colmar & Strasbourg

«Ein Lobspruch / vonn der glücklichen und wolfertigen Schiffart / einer bürgerlichen Gesellschaft auß Zürich […]»

Dem Vorbild von Fischarts Dichtung zur Hirsebreifahrt folgend, führte uns die diessemestrige Exkursion des FVhist ins nahegelegene Elsass. Bereits am ersten Tag erkundeten wir bei strahlendem Herbstwetter mit dem E-Bike das Umland von Colmar mit seinen malerischen Rebhängen und besichtigten dabei die monumentale Zweit-Weltkrieg-Nekropole von Sigolsheim und die Städtchen Riquewihr und Ribeauvillé.
Der zweite Tag führte uns in die Unesco-Welterbe-Stadt Strasbourg mit seiner gotischen Kathedrale, deren 330 Stufen wir allesamt erklommen und so einen atemberaubenden Rundumblick über die Stadt erhielten. Eine passende historische Abrundung bekam unser Ausflug durch spannende, freiwillige Inputreferate (danke Nina und Raoul) und einem Besuch des historischen Museums von Strasbourg.
Den Sonntag begingen wir dann mit einem Stadtrundgang durch die wunderschöne Innenstadt Colmars. Zum Abschluss unserer Exkursion besichtigten wir das renovierte Museum Unterlinden mit seinem weltberühmten Isenheimer Altar.
Im Gegensatz zu unseren historischen Vorbildern mussten wir auf unserem Ausflug auch keinen Hirsebrei mit uns tragen. Für Speis und Trank sorgten stets die urchigen Elsässer Beizen. Flammkuchen, Choucroute und Gewürztraminer lassen grüssen!
Schön wars und auf eine baldige Wiederholung!

Text: Timo Geitlinger

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